«Mit dem Bügeln hapert es noch ein wenig»

Freitag 30. Januar 2004, 03:30 Uhr

Rom (AP) «Ich werde nicht gerne bedient», sagt Alessandro Gassman, Sohn des bekannten italienischen Schauspielers Vittorio Gassman. «Ich räume ab, decke den Tisch und helfe ab und zu der Putzfrau», sagt der 36-Jährige. «Bügeln will ich auch noch lernen.» Gassman ist damit einer von vielen Männern in Italien, die die Hausarbeit für sich entdecken.

Auch Schriftsteller Andrea Camilleri bügelt seine Hemden selbst. Es sei ein gutes Gefühl «zu wissen, dass ich meinen Töchtern helfen kann», sagt er. Schon in jungen Jahren habe er sich die perfekte Bügeltechnik angeeignet. «Keiner konnte es mir recht machen, also habe ich gelernt, mit dem Bügeleisen zu hantieren.» Heute ist der 78-Jährige für seine Hosen-Bügelfalte berühmt – und das Beste daran: Er empfindet das Bügeln als Entspannung.

Das kann der italienische Politiker Romano Prodi nicht gerade von sich behaupten. «Bügeln gefällt mir nicht», räumt der Präsident der EU-Kommission vor Journalisten ein. «Ich entspanne mich beim Einkaufen.» Beim Vergleichen der Preise von Waschpulver beispielsweise. Während es nicht gerade zu seinen Lieblingsarbeiten gehört, das Bett zu machen, ist das Kofferpacken für Prodi Privatsache. «Koffer packe ich mit der gleichen Präzision, mit der ich kleinere Reparaturarbeiten im Haus erledige», erklärt Prodi.

Nicht nur die Prominenten bekennen sich zur Hausarbeit. Die Durchschnittsbürger stehen ihnen in diesem Punkt in nichts nach. Im Februar werden Kurse für Home Management von der Firma Spontex angeboten. Die Idee dafür kam Spontex-Direktor Riccardo Bianco und Kommunikationsexperte Biagio d'Angelo eher zufällig. «Wir haben uns immer ausgetauscht, was Haushaltstricks angeht», sagt d'Angelo. «Unser Wissen – und das der Experten – wollen wir nun weitergeben.»

Dozenten sollen unter anderem die Präsidentin der Hausfrauenvereinigung und der Vorsitzende der Hausmännervereinigung sein. Von den bisher Eingeschriebenen gehören über 70 Prozent dem männlichen Geschlecht an. Für 120 Euro können sie alles lernen, von der optimalen Fleckenentfernung über die richtige Reinigung von Pfannen bis hin zum perfekten Bügeln.

Doch nicht alle Männer in Italien zeigen Interesse an der Hausarbeit. Viele Jugendlichen vertreten noch immer die patriarchalische Position, Hausarbeit sei Frauensache. Laut einer Studie des Mailänder Forschungsinstituts Iard helfen nur 20,3 Prozent der Jungen im Haushalt. Bei den Mädchen sind es immerhin 40,8 Prozent. Nur wenige ziehen als Jugendliche von Zuhause weg. Falls sie nicht gerade in einer anderen Stadt studieren, bleiben sie bei den Eltern.

Dennoch hat die italienische Hausmännervereinigung Associazione Uomini Casalinghi immerhin mehr als 3.000 Mitglieder. Sie erfahren in einem monatlichen Newsletter alles Wissenswerte über die Hausarbeit.

«Ich würde nicht soweit gehen, mich bei einer Vereinigung einzuschreiben oder mich als Hausmann zu bezeichnen, aber ich kann mich sehr gut selbst versorgen», sagt Pietro Antonini. Der 48-Jährige wohnt bereits seit elf Jahren alleine, die Hausarbeit erledigt er neben seiner Arbeit als Direktor einer Lederfabrik. Nur für die wöchentliche Reinigung leistet er sich eine Putzfrau. «Das Kochen würde ich gerne besser beherrschen, und mit dem Bügeln hapert es noch ein wenig», gibt Pietro zu. «Aber immerhin bin ich unabhängig.»

Tratto da:http://de.news.yahoo.com/040130/12/3v002.html

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